Billigfleisch wird billiger

Hauptsache billig, nach diesem Motto scheinen viele Menschen ihr Fleisch zu kaufen. Dies hat kürzlich erneut zu Preissenkungen geführt.

„Den deutschen Verbrauchern schmeckt es am besten, wenn sie ein Schnäppchen gemacht haben.“

Thorsten Lange

Es ist kaum zu glauben, für welche Preise Fleischprodukte an den Theken der Supermärkte verkauft werden. Die meisten Menschen sehen Massentierhaltung kritisch und doch kaufen sie dann eben solche Produkte. Das Wort Konsumverhalten ist sehr bezeichnend für das, was hier stattfindet. Unter „Verhalten“ verstehen Psychologen und Biologen eher unbewusstes Handeln, als das rationale Treffen von Entscheidungen.
Man könnte wohl fast von einem Beißreflex sprechen.

Erneut sei hier auf den Fleischatlas der Böll-Stiftung und des BUND hingewiesen. Nur die Aufklärung über die Hintergründe der Fleischproduktion können den Konsum langfristig senken. Es geht uns hierbei nicht darum, dass alle Menschen vegetarisch oder vegan leben. Viel mehr wünschen wir uns, dass die Menschen Fleisch bewusst konsumieren und ihren Konsum reduzieren.
Reich ist ein Land nicht, wenn sich die Armen Fleisch leisten können, sondern wenn die Reichen freiwillig auf Fleisch verzichten.

Update (21.03.):
Spiegel Online erklärt im Artikel „Gensoja im Tierfutter macht Discounter-Fleisch billig” ein paar Hintergründe der Preissenkungen. An der Begründung, derzufolge es auf dem Weltmarkt nicht genug Gentechnik-freies Soja gebe, scheint aber nicht viel dran zu sein. So sei z. B. in Brasilien 10% mehr konventionelles Soja produziert worden, als im Vorjahr.

Es sind vor allem Wiesenhof (PHW-Gruppe) und Rothkötter, die ihre Hühner und Puten jetzt wieder mit Gensoja füttern. Die beiden Großkonzerne, die auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage keine Stellung beziehen wollen, beherrschen aber 70 bis 75 Prozent des deutschen Hähnchenmarktes. Und diejenigen, die am teureren gentechnikfreien Futter festhalten, leiden noch stärker unter den Preissenkungen.

Grundsätzlich unberührt bleibt dabei allerdings die Frage, ob man Hühner, Puten & Co. tatsächlich unbedingt in kürzester Zeit mit importiertem Kraftfutter auf Schlachtgewicht mästen muss… Und eine Kennzeichungspflicht für tierische Produkte, die mit genetisch veränderten Futtermitteln erzeugt wurden ist auch nicht ernsthaft in Sicht.

Interessant ist noch ein Satz aus dem SPON-Artikel: „Gentechnikfreies Soja ist gut ein Drittel teurer als herkömmliches.“ Hier wird Gen-Soja also schon als Norm deklariert – sicherlich ist es schon lange keine Ausnahme mehr, aber deshalb noch längst nicht „herkömmlich“.

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